23. Oktober 2026

Ratgeber: Welches Vermessungsgerät für welchen Einsatz?

Ein Polier will Achsen und Höhen auf der Baustelle setzen. Ein Ingenieurbüro muss ein Gelände für ein Strassenprojekt aufnehmen. Ein Architekt braucht ein genaues Aufmass eines Altbaus. Alle drei brauchen ein Vermessungsgerät, aber kaum je dasselbe. Wer das falsche Instrument wählt, zahlt doppelt: mit einer Investition, die nicht zur Aufgabe passt, oder mit Stunden, die auf der Baustelle verloren gehen.

Dieser Ratgeber gibt einen Überblick über die wichtigsten Gerätegruppen, zeigt, wofür sie sich eignen, und hilft mit vier Fragen bei der Auswahl.

Die fünf Gerätegruppen im Überblick

GNSS-Systeme: Position per Satellit

GNSS-Empfänger bestimmen ihre Position über Satellitensysteme wie GPS, GLONASS, Galileo und BeiDou. Für Vermessungsgenauigkeit arbeiten sie im RTK-Verfahren: Ein Korrekturdienst liefert Echtzeitkorrekturen. Die Stärken der GNSS-Empfänger liegen auf grossen Flächen: Eine Person misst allein, und zwischen den Punkten braucht es keine Sichtverbindung. Unter Bäumen, zwischen hohen Gebäuden, in Hallen und Tunneln fehlt jedoch der Satellitenempfang. Typische Einsätze sind Geländeaufnahmen, Absteckungen im offenen Gelände, Leitungsaufnahmen und GIS-Datenerfassung. Eine Auswahl finden Sie unter GNSS-Systeme.

Totalstationen: das Allroundgerät auf der Baustelle

Eine Totalstation, in der Schweiz oft Tachymeter genannt, misst Winkel und Distanzen zu einem Prisma oder reflektorlos auf eine Oberfläche. Daraus berechnet sie Koordinaten mit Millimeter-Genauigkeit. Manuelle Geräte werden meist zu zweit bedient. Robotik-Totalstationen verfolgen das Prisma automatisch, sodass eine Person allein absteckt.

Die Totalstation liefert die höchste Punktgenauigkeit und funktioniert auch in Gebäuden und unter Abschirmung. Dafür braucht sie Sicht zum Ziel, und jeder Standpunkt muss eingerichtet werden. Sie ist das Standardgerät für die Absteckung von Achsen und Gebäudeecken, für Kontrollmessungen und für die Ausführung nach BIM-Modell. Beim Verstellen muss neu stationiert werden. Zum Sortiment: Totalstationen.

3D-Laserscanner: Millionen Punkte statt einzelner Punkte

Terrestrische Laserscanner tasten ihre Umgebung rundum ab und erzeugen eine Punktwolke mit Millionen Messpunkten. Erfasst wird nicht ein einzelner Punkt, sondern der gesamte Bestand: Fassaden, Räume, Tragwerke und Anlagen. Die FARO-Focus-Scanner der Serien Focus erfassen laut Hersteller bis zu zwei Millionen Punkte pro Sekunde, mit einem Distanzfehler von ±1 mm und einer 3D-Punktgenauigkeit von 2 mm auf 10 m.

Die Stärke ist die vollständige, dichte Dokumentation als Grundlage für Pläne und 3D-Modelle. Die Auswertung erfolgt offline oder online und je nach Projektgrösse braucht es allerdings etwas mehr  Zeit. Typisch sind Gebäudeaufmass, Umbau und Sanierung, Holz- und Metallbau sowie Industrieanlagen. Mehr dazu unter 3D-Laserscanner.

Vier Fragen für die richtige Wahl

1. Welche Genauigkeit braucht die Aufgabe?

Klären Sie zuerst, welche Toleranz die Aufgabe tatsächlich verlangt. Für Erdarbeiten und Geländemodelle genügen meist Zentimeter; hier ist GNSS oft die schnellste Lösung. Für Bauachsen, Ankerplatten oder Stahlbau sind Millimeter gefragt, und die Totalstation ist erste Wahl. Wer mehr Genauigkeit kauft als nötig, bezahlt sie mit Investition und Messzeit.

2. Wo wird gemessen?

Offenes Gelände spricht für GNSS. In Gebäuden, Tunneln, Tiefgaragen oder dicht bebauten Quartieren ist die Totalstation verlässlicher. Für Innenräume und verwinkelte Bestandsbauten ist der Laserscanner am effizientesten.

3. Einzelne Punkte oder ganze Flächen?

Wer gezielt Punkte absteckt oder kontrolliert, arbeitet mit GNSS oder Totalstation. Wer einen Bestand vollständig dokumentieren will, scannt. Für Volumen grosser Halden oder Gruben kommen auch Drohnen in Frage.

4. Wie oft, mit wie vielen Personen und mit welchem Budget?

Ein Ein-Mann-Team profitiert von einer Robotik-Totalstation oder einem GNSS-Rover. Wer ein Gerät nur für ein einzelnes Projekt braucht, prüft Miete oder Try & Buy statt Kauf. Zu den Gesamtkosten gehören neben dem Gerät in der Regel auch Software, Zubehör, Schulung und Wartung.

Fazit: zuerst die Aufgabe, dann das Gerät

Das passende Vermessungsgerät ergibt sich aus vier Faktoren: geforderte Genauigkeit, Messumgebung, Art der Erfassung und Einsatzhäufigkeit. GNSS ist schnell im offenen Gelände, die Totalstation präzise und vielseitig, der Laserscanner erfasst ganze Bestände.

Geo Science berät Sie markenübergreifend, unter anderem zu Geräten von Leica Geosystems, Sokkia, Stonex und FARO. Mit Schulung, Wartung und Reparatur sowie Software-Support bleibt Ihr Gerät langfristig einsatzbereit.

Unsicher, welches Gerät zu Ihren Projekten passt? Fordern Sie eine persönliche Geräteberatung an oder rufen Sie uns an: +41 71 726 12 12.

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